Unter Inzucht versteht man die Paarung relativ naher Blutsverwandter. In der Pflanzenzucht erfolgt dies durch Selbstung (Selbstbefruchtung) und Kreuzung naher Verwandter, um genetisch möglichst homozygote (reinerbige) Inzuchtlinien zu erhalten. In der Tierzucht erfolgt Inzucht durch Geschwisterverpaarung und Rückverpaarung. Das Maß für die Inzucht ist der Inzuchtkoeffizient. Inzucht-Depression steht für den Verlust genetischer Widerstandsfähigkeit bzw. Resistenz und Leistungsfähigkeit durch fortwährendes Einkreuzen von Individuen der gleichen Abstammungslinie.
Der Effekt kann bei der Kreuzung von neuen Rebsorten entstehen, wenn positive Eigenschaften einer Sorte verstärkt werden sollen und deshalb Vorfahren fortwährend eingekreuzt werden. Inzuchteffekte entstehen auch dann, wenn durch die bei der Blüte zu 99% erfolgende Selbstbefruchtung entstandenen Beerenkerne ausgesät werden und zu einem Sämling auswachsen. Dadurch sind im Verlaufe der Evolution auf natürliche Art viele Tausende neuer Sorten entstanden, von denen vom Menschen die besten bezüglich Ertrag, Resistenz und Geschmack selektiert wurden. Im Weinbau erfolgt aber die Vemehrung nicht generativ (sexuell), sondern vegetativ durch Teilung einer Pflanze.
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Dr. Edgar Müller
Dozent, Önologe und Weinbauberater, Bad Kreuznach