Produktionsform für die Bewirtschaftung von Weingärten und Weinbereitung. Es gibt auch die Bezeichnungen Bio-, Organisch-Biologischer, Ökologisch-Biologischer oder (zumeist üblich) Biologischer Weinbau; siehe dort.
Unter Biologischem, Ökologischem oder auch Biologisch-Ökologischem Weinbau versteht man zum Teil recht unterschiedliche Produktionsformen für die Herstellung von Weintrauben und Wein auf der Grundlage möglichst naturschonender Maßnahmen unter Berücksichtigung von Erkenntnissen bezüglich Ökologie und Umweltschutz.
Der biologische Weinbau hat sich von einer Nischenentwicklung zu einem dynamisch wachsenden Segment der globalen Weinwirtschaft entwickelt. Gemäß Berichten der OIV hat die Umstellung auf biologische Bewirtschaftung von 2005 bis 2019 jährlich um rund 13% zugenommen. Die biologisch bewirtschaftete Fläche betrug 2024 weltweit rund 562.000 Hektar, das entspricht 8,3% der Gesamtfläche. Europa ist dabei der globale Schwerpunkt. Spanien (führend mit 160.000 Hektar), Frankreich und Italien machen zusammen etwa 75% dieser Bio-Rebflächen aus und dominieren das weltweite Ranking. Mit rund 10.500 Hektar bzw. 25% der Gesamtfläche dominiert weltweit anteilsmäßig Österreich.

Bei einer Neuorganisation der Bewirtschaftung von Weinbergen, wie zum Beispiel einer Umstellung auf biologisch-ökologische Bewirtschaftungsmethoden sind entsprechende Maßnahmen zu überlegen. Der planmäßige Aufbau einer Rebfläche bzw. das Pflanzen von Rebstöcken unter Einhaltung aller Gesetze, Beachtung aller Kriterien und die erforderlichen Maßnahmen sind detailliert unter Rebenaufbauplan beschrieben.
Bis zu den 1950er-Jahren war es weltweit üblich, gegen Schaderreger massiv chemische Mittel einzusetzen, weil man noch wenig über die negativen Auswirkungen wusste. Ebenso trägt auch der Klimawandel zu negativer Entwicklung bei. Die konventionelle Agrochemie mit einem großflächigen Einsatz von synthetischem Dünger und Pestiziden im Kampf gegen Schädlinge wie Insekten, Unkraut und Mikroorganismen ist ab den 1980er-Jahren zunehmend in die Kritik geraten und wird als unvereinbar mit Nachhaltigkeit und ökologischer Landwirtschaft betrachtet. Eine Radikalabkehr dieser Praktiken ist aber kurzfristig auch aufgrund von Ernteausfällen kaum realistisch. Der gezielte und wohldosierte Einsatz von modernen Agrochemikalien kann helfen, Ernteausfälle und damit den Welthunger zu bekämpfen.

Es gibt viele ähnliche Begriffe wie biologisch, ökologisch, kontrolliert ökologisch, kontrolliert biologisch, biologischer Land/Weinbau, ökologischer Land/Weinbau, biologisch-organisch, biologisch-dynamisch und bioenergetisch. Es gibt jedoch keinen inhaltlichen oder rechtlichen Unterschied zwischen „Bio“ und Öko“, die beiden Begriffe werden synonym benutzt. Beide sind im Zusammenhang mit Lebensmitteln und Futtermitteln sowie landwirtschaftlichen Rohwaren, die nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus erzeugt und verarbeitet werden, geschützt. Alle Ableitungen und Verkleinerungsformen wie „Bio-“ und „Öko-“, alleine oder kombiniert, können dabei vorkommen.
Aus Konsumentensicht ist große Vorsicht geboten bei den Kennzeichnungen „aus kontrolliertem Vertragsanbau“, „extensiv“, „Integrierter Landbau", „kontrolliert“, „naturnah“, „umweltschonend“ oder „unbehandelt“ bzw. sinngemäß verwendeten Formulierungen. Diese Begriffe weisen nicht zwangsläufig auf eine Produktion oder Verarbeitung im Sinne des ökologischen Landbaus hin. Zur Klarstellung bzw. Unterscheidung eine kurze Definition der Begriffe:
Biologisch
Biologie (bios = Leben) ist die Wissenschaft der Lebewesen als Teilgebiet der Naturwissenschaften, die sich mit allgemeinen Gesetzmäßigkeiten, Besonderheiten, Organisation und Entwicklung sowie Strukturen und Prozessen befasst.
Ökologisch
Die Ökologie (oikos = Haus, Lehre vom Haushalt) ist eine Teildisziplin der Biologie, welche die Beziehungen der Lebewesen mit deren unbelebten Umwelt erforscht. Der Begriff hat sich zum Synonym für „Umwelt“ bzw. „Umweltschutz“ entwickelt. Ein salopper Vergleich zwischen biologisch und ökologisch ist: Biologisch heißt, dass keine chemische Keule benutzt wurde, und ökologisch heißt, dass zusätzlich noch die Umwelt geschont/gefördert wurde.
Organisch
Ein Organ oder den Organismus betreffend, der belebten Natur angehörend; mit etwas eine (harmonische) Einheit bildend. Das heißt, dass bei der Bewirtschaftung auf diesen sensiblen Zusammenhang Rücksicht genommen wird.
Biodynamisch
Der Begriff tauchte 1980 erstmals im Duden auf. Er wird hauptsächlich im Biodynamischen Weinbau verwendet und bedeutet „nur organische Düngemittel einsetzend, nur mit solchen Mitteln (Naturmitteln) behandelt bzw. gedüngt“. Es gibt dabei auch nicht unumstrittene Techniken wie Berücksichtigung der Mondphasen oder Planeten-Konstellationen.
Bioenergetisch
Die Bioenergetik (bios = Leben, energeia = Wirksamkeit) als Teilgebiet der Biologie, Biophysik und Biochemie, die sich mit Energieumwandlungen in Organismen beschäftigt. Der Begriff wird im Bioenergetischen Weinbau verwendet. Es gibt dabei neben den biodynamischen Methoden auch esoterische Techniken wie Musik bei der Weinbereitung.
Integriert
Bedeutet im Zusammenhang mit bestimmten Verfahren die Einbindung einzelner Maßnahmen wie Integrierter Pflanzenschutz (KIP/IP). Es handelt sich also um ein auf einen bestimmten Zweck abgestimmtes...
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Für meine langjährige Tätigkeit als Lektorin mit wein-kulinarischem Schwerpunkt informiere ich mich bei Spezialfragen immer wieder gern im Weinlexikon. Dabei führt spontanes Lesen und das Verfolgen von Links oft zu spannenden Entdeckungen in der weiten Welt des Weins.
Dr. Christa Hanten
Fachjournalistin, Lektorin und Verkosterin, Wien